Jean Delvaux über Kevin Brandy


Der 22-jährige Kevin B., Sohn des Malers Robert Brandy, hat überraschend schnell seinen Weg in der Malerei gefunden.

Das ist nicht zuletzt seinem Lehrer Georg Steng von der Waldorfschule zu verdanken,der von Anfang an Kevin B.s Eigenwilligkeit anerkannte und seine Fähigkeiten förderte.

Auch im Atelier seines Vaters hat Kevin B. entscheidende Einflüsse erfahren. Seine Farb­überlagerungen zeigen, dass er manches dort gelernt hat. Insbesondere der Gebrauch der weißen Farbe, wenn er auch sehr eigenständig ist, verrät die Handschrift Brandys.

Kevin B.s Lieblingsmaler ist Picasso. Aber der Einfluss der französischen Fauves und der deutschen Expressionisten auf Kevin B.s Farbpalette ist unverkennbar.

Das Entscheidende jedoch ist, dass hier einer malt, der Freude am Malen hat. Unermüdlich trägt er seine Farben -Aquarell, Ölpastell- auf, mischt sie, verreibt sie, bis die Linien seines Kompositionsgerüstes verschwimmen und die Farbflächen anfangen zu schweben, wie er sagt.

Er liebt gelb, orange, rot und lässt sie mit dunklen Blau- und Grüntönen harmonieren. Er bemüht sich, auch sie « warm » zu machen, indem er besonders satte Töne mischt. « Kalt » ist für ihn nur weiß, hellblau, beige.

Selten malt er figurativ: Bäume, Fenster, Felder. Meist bleibt er abstrakt, er bevorzugt Linien, Dreiecke, Vierecke und Kreise. Er kombiniert sie zu immer wieder neuen Bildkompositionen. In letzter Zeit ist seine Bildsprache einfacher, klarer, kräftiger geworden. In seinen besten Werken gelingt ihm eine überwältigende Wucht und unerwartete Harmonie.

Gefragt, was er malt, antwortet er: « Ich male das, was ich spüre. » Seine Bilder sind unmittelbarer Ausdruck seiner Gefühle. « Welches ist denn das Gefühl, das du am häufigsten malst? » Ohne zu zögern antwortet er : « Frei werden! »

Vielleicht ist das Kevin B.s geheime Formel,die ihm seine Stärke verleiht: Seine Malerei ist ihm wichtig, sie bedeutet ihm etwas, das er nur durch seine Bilder mit den andern teilen kann.

Auch seine Collagen spiegeln seine Schaffensfreude. Sie bestehen aus disparaten Fetzen nicht genau ausgeschnittener Bild - und Schriftschnipsel, die er vollkommen zwanglos verwendet und die sich meistens durch Farbharmonie zu einem Ganzen fügen. Sie erlauben ihm, figurative Elemente, die sonst ja in seiner Malerei selten sind, in seine Bilder zu integrieren. So eignet er sich Wirklichkeiten an, die mit seiner Gefühlswelt dialogisieren. Oft kombiniert er Malerei und Collage, sei es, dass er Gemaltes überklebt oder Geklebtes übermalt. Auf wahrhaft originelle Weise gelingt ihm so das Erforschen ganz neuer Wege.

Ich meine, Kevin B. hat sich den Ursprung, die Freude, die Freiheit bewahrt. Als er als kleines Kind endlich die passende Brille gegen seine Sehschwäche erhielt, öffnete sich die Welt für ihn zum ersten Mal. Als er auf die Straße trat, blieb er stehen und sagte in seiner leisen Art mehrere Male: « Schön! » Er war erstaunt über die Schönheit der Welt. Dieses Gefühl ist dem Maler Kevin B. geblieben. Es ist so, als ob er es Bild für Bild erneuern würde.

 
 
Jean Delvaux
2011


 © 2007-11 Kevin Brandy letztes Update: 14-Aug-11